Sophia Flörsch steht wie kaum eine andere deutsche Rennfahrerin für Aufbruch, Beharrlichkeit und die Bereitschaft, neue Wege im Motorsport zu gehen. Wer die Szene verfolgt, denkt beim Namen der 25-Jährigen meist auch an ihren Horror-Crash in Macao 2018, wo sie in einigen Metern Höhe in ein Streckenposten-Häuschen einschlug – damals noch im Formel 3-Auto. Seither kämpft sie sich über unterschiedliche Rennprogramme zurück und ist jetzt in einem Feld gelandet, das gerade den nächsten großen Technologiesprung vorbereitet: elektrischer Motorsport.
Elektrische Entwicklungsfahrerin
Als Testfahrerin für das neue Opel-Team befasst sie sich intensiv mit der Technologie der Formel E. Wobei ihre Aufgabe als Entwicklungsfahrerin im Motorsport oft weniger sichtbar als Rennerfolge sei. "Aber sie ist die Grundlage für alles, was später im Wettbewerb zählt. Das ist für mich eine große Challenge, aber eine sehr gute." Im Alltag fährt sie ab sofort einen Opel Mokka GSE: "Den werde ich in München und Umgebung bewegen", verrät sie. Der Mokka GSE sei ihr "erstes vollelektrisches Auto", sagt sie offen. "Wie gut die Ladeinfrastruktur hierzulande schon ist, werde ich in den nächsten Wochen und Monaten herausfinden."

Der Opel Mokka GSE.
Die Sportversion des Mokka als Brücke zwischen Alltag und Rennstrecke zu sehen, ist für Flörsch mehr als ein nettes Motiv. Denn während viele Menschen Elektromobilität vor allem über Reichweite, Ladesäulen und Kosten diskutieren, erlebt sie die elektrische Zukunft auch auf einem der härtesten Entwicklungsniveaus, das der Motorsport bieten kann: in und um die Formel E.
Elektrischer Motorsport oder mit Verbrenner?
Auf die Frage, ob sich ein elektrischer Rennwagen anders fährt als ein Verbrenner, antwortet sie mit einem Leistungsversprechen: "Das Niveau ist wirklich sehr hoch, die neuen Autos sind sehr, sehr schnell." Vor allem die neue Fahrzeuggeneration, Gen4 genannt, sei technisch noch anspruchsvoller und insgesamt ein großer Schritt für die Formel E. "Für Opel ist es definitiv der richtige Zeitpunkt einzusteigen – die Serie ist hart umkämpft, nicht nur unter den Fahrern, sondern auch team- und herstellerseitig." Das mache deutlich: Wer hier bestehen will, muss Entwicklung, Strategie und Performance gleichzeitig beherrschen. Den Sprung, den die Elektro-Serie bald machen werde, sei enorm. Flörsch hat sowohl die alte Gen2-Generation mit fast keinem Abtrieb und vergleichsweise wenig Leistung als auch die neue Gen4 bewegt – die Gen4 allerdings bisher "nur ein paar Runden in Le Castellet", die Gen2 "einen ganzen Testtag". Trotzdem fällt ihr Urteil eindeutig aus: "Riesig! Aerodynamik, Reifen und einfach alles!"
Das Leistungsniveau ordnet sie so ein: Die Gen2 liege etwa auf Formel-4-Ebene, die Gen4 sei "ein richtiger Vollblut-Rennwagen". Damit entwickle sich die Formel E zu einer Plattform, die für etablierte Fahrer und Teams zunehmend attraktiv werde. Ob sie bald schon selbst um Punkte fahren wird? Auf einen möglichen "Race Seat" angesprochen, antwortet Flörsch realistisch: "Das werden wir sehen", sagt sie, und erinnert daran, was im Motorsport immer gilt: Das Ziel sei klar, aber am Ende entscheide die sportliche Leistung.
