Sonntagabend, 20.15 Uhr, Tatort – für viele ein Pflichttermin. Auch für Schauspieler Richy Müller, seit fast zwei Jahrzehnten als Kommissar Lannert im Stuttgart-Tatort zu sehen. "Wenn Zeit ist, schaue ich meinen Tatort auch selbst", sagt er im Gespräch mit Patrick Lang. Doch hier geht es heute nicht um Krimis. Es geht um Autos, Rennsport und den Freiheitsgedanken, den Mobilität für Richy Müller bedeutet. Wir treffen uns im Porsche-Museum.

Perfekter Treffpunkt für Porsche-Fans: Museum der Marke
Die Liebe zur Bewegung beginnt früh; die Umstände klingen nach einem Manuskript aus Victor Hugos Schreibtischschublade: Ein alter Lumpensammler schenkt dem kleinen Richy einen Tretroller, den seine Brüder dann für ihn instand setzen. "Das war mein erstes Gefährt – und das Gefühl, schneller als Fußgänger zu sein, war überwältigend." Es folgen Moped, Auto, später Motorrad. "Für mich bedeutete das immer: unabhängig sein, einfach losfahren können, notfalls nach Paris frühstücken und wieder zurück."

Auch im Tatort fährt Müller Porsche.
Richy Müller: "Schon als Kind hat mich die Porsche-Silhouette fasziniert. Wenn im Viertel ein 356 um die Ecke stand, war das für uns ein Ereignis. Wir hatten zwar noch keine Ahnung, was ein "Porsche" überhaupt sein soll – aber die Form war magisch." Sein erstes Auto? Ein VW Käfer, "der Möchtegern-Porsche", wie er lachend erzählt, ausgestattet mit Fuchs-Felgen und Doppelvergaser.
Richy: "Dass ich Schauspieler geworden bin, war eher Zufall. Ähnlich lief es mit dem Motorsport. Ich habe ursprünglich mit Motorradrennen angefangen – in einem Alter, in dem andere schon aufhören."
Richy: "Ja, das hab ich mir auch gedacht. Deshalb wollte ich mich im Motorsport professionalisieren. Mir war schließlich auch klar, dass so ein Motorrad-Unfall mindestens Knochenbrüche zur Folge hat. Und damit könnte ich dann ja nicht drehen. Also habe ich mich am Nürburgring bei Zakspeed ausbilden lassen, die internationale Z-Lizenz absolviert und bin 1997 in den Porsche Supercup eingestiegen."
Von da an ist der Motorsport für Müller fast größer als die Schauspielerei. Das Gefühl im Cockpit beschreibt er als "meditativ": abgeschottet, ganz bei sich, voller Adrenalin und Glücksgefühle.
Richy: "Beides lebt von Präzision, Timing und Wiederholung. Auf der Strecke wie am Set geht es darum, auf die anderen zu achten, aufeinander einzugehen. Vorbilder habe übrigens in beiden Bereichen nicht. Du musst dein eigenes Limit finden – ob auf der Bühne oder im Auto."

Fährt privat elektrisch: Richy Müller
Richy: "Natürlich. Zunächst mal ist der Technologietransfer enorm wichtig. Ohne Rennsport wären Autos heute nicht so sicher. Damit das aber auch in Zukunft noch funktionieren kann, müssen wir das Thema CO₂-neutrales Fahren angehen. Mit E-Fuels oder Elektroautos. Ohne die passende Infrastruktur wird es allerdings nicht klappen und gerade beim Laden ist noch viel Luft nach oben."
Richy: "Klar. Ich habe einen Taycan. Damit fährst du einfach anders. Ich plane meine Routen, kenne die Ladesäulen teils schon beim Namen (lacht). Mit dem Verbrenner reicht ja kurz Tank füllen und Abfahrt. Reizvoll ist für mich beides. Elektro entschleunigt, der Verbrenner vermittelt Freiheit. Am Ende sind es zwei verschiedene Schuhe – wie Theater und Film."
Richy: "Also, ich brauche keine Carsharing-Kiste, in der andere geraucht haben. Mein Auto ist Rückzugsort, privater Raum, manchmal Therapieplatz."

Richy Müller in seinem Tatort-Porsche
Richy: "Wahr und schade. In Großstädten haben viele keinen Führerschein mehr. Da fehlt dann der Zugang zu dem Erlebnis, sich ins Auto zu setzen und einfach loszufahren."
Richy: "Auf Instagram und TikTok suchst du mich vergeblich. Wer mich sehen will, findet genug Möglichkeiten im Fernsehen oder im Theater. Likes und Klicks brauche ich nicht. Ich bin mal mit einem Influencer den Porsche 918 Spyder gefahren und hab ihn gefragt, wie sein Tag eigentlich so abläuft."
Richy: "Naja, er meinte, nach dem Zähneputzen geht’s direkt los. Alles muss eine Story sein – voll der Stress. Und wer zwei Tage nichts macht, ist weg vom Fenster. Für mich wäre das nichts. Wenn jemand was über mich wissen will, steht ja schon genug im Internet."
Richy: "Sehr gern."
