KBA-Präsident im Interview: “Schon zwei Millionen Downloads für digitalen Fahrzeugschein”

Interview mit KBA-Prsident Richard Damm
2 Millionen Downloads für digitalen Fahrzeugschein

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.08.2026
KBA-Präsident Richard Damm
Foto: KBA
Autonomes Fahren, Elektrifizierung, viele neue "Player" unter den Herstellern. Wie würden Sie die Zeit beschreiben, in der Sie KBA-Präsident sind?

Es ist eine sehr spannende Zeit, nicht nur wegen der Antriebstransformation im Automobilbereich. Das autonome Fahren und Vorstufen dazu in der Ausprägung von erweiterten Assistenzsystemen werden das Fahren signifikant verändern. Hier spielen die mittlerweile möglichen Rechnerleistungen und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz eine wesentliche Rolle.

Zufällig ausgewählte Halter bekommen in den nächsten Wochen Post vom KBA und sollen ihre Kilometerstände an zwei Stichtagen angeben. Welches Ziel hat die Halterbefragung?

Die Befragung ist Teil der sogenannten Fahrleistungserhebung in Deutschland. Diese findet etwa alle 10 Jahre statt und wird auch dieses Mal wieder gemeinsam von der BASt und KBA durchgeführt. Benötigt werden die Informationen insbesondere für eine gezielte und effektive Planung bei den Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur. Die Halterbefragung ermittelt hierfür die Inländerfahrleistung im In- und Ausland, um ein differenzierteres Bild der Fahrleistung zu erhalten. Wie entscheidend hier eine fundierte, aktuelle und qualitativ hochwertige Datenbasis ist, zeigen immer wieder die Auswirkungen, wenn eine Infrastruktur plötzlich nicht mehr in gewohntem Umfang genutzt werden kann.

Die Zahl der Rückrufe steigt – woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Das liegt vor allem an zwei Aspekten: Zum einen an der zunehmenden Komplexität bei den Fahrzeugen und Fahrzeugsystemen und zum anderen an den immer weiter verkürzten Entwicklungszeiten. Beides geht einher mit einem hohen Wettbewerbs- und Kostendruck, was die Qualität und Zuverlässigkeit beeinflussen kann.

Wie kommt iKfz voran, wie viele Zulassungsstellen bieten die Online-Zulassung in Deutschland schon an?

Die digitale Zulassung über Online-Portale hat in den vergangenen beiden Jahren einen positiven Schub erfahren, vor allem mit der Einführung der Schnittstelle für Großkunden, die jedes Jahr eine Vielzahl von Fahrzeugen zulassen, ummelden oder außer Betrieb setzen. Dennoch muss man sagen, dass ein viel größeres Potential, etwa 80 bis 90 Prozent aller Zulassungen vorhanden ist. Im Zuge der Modernisierungsagenda der Bundesregierung wird aktuell mit Hochdruck an einem Ausbau gearbeitet, damit die Zulassung online und digital noch einfacher ablaufen kann. Darauf haben sich Bund und Länder verständigt mit entsprechenden Beschlüssen.

Wie nehmen die Menschen die Online-Zulassung an? Haben Sie aktuelle Zahlen, wie viele Zulassungen, Besitzumschreibungen etc. online erfolgen?

Die Akzeptanz und damit die Nutzung der i-Kfz-Lösung steigt von Jahr zu Jahr – sowohl bei den privaten Nutzenden als auch bei den Großkunden. Im Jahr 2024, betrug der Anteil der Online-Zulassungsvorgänge rund 8 Prozent, in 2025 rund 15 Prozent und im Jahr 2026 bis heute bereits knapp 22 Prozent. Die größten Anteile entfallen dabei auf die Außerbetriebsetzungen mit 40 Prozent und 14 Prozent für die Neuzulassungen.

Was glauben Sie – warum zögern einige Menschen noch?

Ich denke, dass hat zwei Gründe. Zum einen ist vielen Bürgerinnen und Bürgern einfach nicht bekannt, wie komfortabel und einfach dies möglich ist. Zum anderen muss noch mehr Marketing und Aufklärung betrieben werden, wie die Zulassung online funktioniert und was man dafür braucht. Alle Beteiligten inklusive KBA sind natürlich gefordert, die Verfahren möglichst einfach zu gestalten, auch wenn dies immer wieder einen Zielkonflikt mit Sicherheitsaspekten darstellt.

Wie viele Personen haben schon einen digitalen Fahrzeugschein auf dem Smartphone, wann kommt der digitale Führerschein?

Die i-Kfz-App ist ein gutes Beispiel, wie Digitalisierung klappen kann. Das Feedback ist fast durchweg positiv. Anmerkungen greifen wir auf und entwickeln weiter. Mittlerweile wurde die App für den Digitalen Fahrzeugschein mehr als 2 Millionen mal auf Mobiltelefone geladen. Wir dürfen hier nur nicht aufhören, sondern müssen das gesamte Ökosystem weiterdenken. Beispielsweise können darüber Aktualisierungen am Fahrzeugschein bei einzutragenden Fahrzeugänderungen erfolgen, ohne Behördengang. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Aktuell geht die Entwicklung des digitalen Führerscheins in die finale Phase und ich bin optimistisch, dass die Vorstellung wie geplant im vierten Quartal erfolgen kann. Das ist das Ziel.

Wann werden Autofahrer ihren Punktestand per App abfragen können?

Den Punktestand kann man heute bereits online, einfach und kostenfrei auf www.kba.de unter Services abrufen. Das dauert mit dem Mobiltelefon keine zwei Minuten, wenn man die Ausweis-App installiert hat und den Personalausweis mit zugehöriger PIN hat. Letzteres ist leider immer noch eine Hürde. Alle Personalausweise haben die Online-Funktionalität und die PIN wurde mit dem Ausweis ausgegeben. Leider kennen viele den PIN nicht. Die Integration der Punkteauskunft in die i-Kfz-App ist aktuell nicht geplant.

Der Gesetzgeber hat zumindest den kommerziellen Punktehandel verboten. Sind Sie damit zufrieden?

Ich bin damit sehr zufrieden. Der Umstand des Punktehandels ist lange bekannt. Auch wenn es kein Massenphänomen ist, war eine Sanktionierung überfällig. Das Fahreignungsregister oder Punkteregister erfüllt einen Zweck für die Sicherheit im Straßenverkehr und bei der Zuverlässigkeit von Verkehrsteilnehmenden. Ein kommerzieller Punktehandel hebelt dies aus, das ist nun nicht mehr legal möglich.