Interview mit Peugeot Alain Favey: Das Lenkrad der Zukunft kommt aus Frankreich

Interview mit Peugeot Alain Favey
Das Lenkrad der Zukunft kommt aus Frankreich

ArtikeldatumVeröffentlicht am 17.04.2026
Peugeot Alain Favey CEO
Foto: Peugeot
Wie positionieren Sie Peugeot innerhalb der Markengruppe des Konzerns?

Unsere Positionierung ist "Upper Mainstream". Unter den europäischen Marken im Konzern haben wir als Volumenmarke eine klare Rolle, die sich nicht mit einer anderen Marke überschneidet.

Was macht diese Rolle aus?

Sie beruht auf den "Driving Sensations", den Fahreindrücken, und auf Technologie. Innovation ist ein Treiber für uns und soll es auch bleiben – als nächstes mit dem Hyper-Square-Lenkrad und Steer-by-wire im B-Segment. Und natürlich auch das Design, das wir als ein zentrales Merkmal der Marke sehen. Wir wollen ein spezifisches Design haben, das vielleicht auch nicht jedem gefällt. Schließlich noch das Thema Qualität: Wir wollen zeigen, dass wir eine Top-Qualität anbieten und dass wir langlebige Autos bauen.

Hat Peugeot bei der Qualität eine Führungsrolle im Konzern?

Die Erwartungen von Peugeot-Kunden sind wahrscheinlich höher als für andere Marken, weil wir diesen Status als "Upper Mainstream" beanspruchen. Diesen Anspruch müssen wir erfüllen, bei Design, Technik und Materialien. Das hat bei uns eine hohe Priorität.

Wie stellen Sie sicher, dass Sie bei einem Modell auf neuer Plattform und mit neuer Software das selbstgesteckte Qualitätsniveau erreichen?

Wir arbeiten hart an Technologie und Zuverlässigkeit, und wir haben die Qualitätskontrollen intensiviert, damit wir wirklich alle möglichen Auffälligkeiten rechtzeitig entdecken. Es ist klar, dass Peugeot ohne Qualität sein Markenversprechen nicht erfüllen kann. Deswegen ist sie für uns der Schlüssel zu allem.

Wie schaffen Sie es, unter Verwendung von Konzernbauteilen ein Fahrerlebnis und eine Performance zu erzeugen, die zur Marke passen?

Das Fahrverhalten eines Peugeots muss etwas Besonderes sein. Auf diesem Gelände (Testzentrum Belchamp, Anm. d. Red.) arbeiten unsere Ingenieure Tag und Nacht an dem, was die Marke Peugeot ausmacht und was unsere Kunden von uns erwarten. Unsere Experten sind in der Lage genau zu definieren, wie ein Peugeot fahren soll oder eben nicht. Und es ist für uns wichtig, das gerade hier zu tun, weil hier das Herz von Peugeot schlägt. Das ist die Region, aus der wir kommen.

Ist es eine besondere Herausforderung, vor dem Hintergrund steigenden Kosten- und Wettbewerbsdrucks die eigene Identität zu erhalten und zu schärfen?

Wir nutzen eine Konzern-Plattform, das ist natürlich ein Vorteil für uns. Peugeot allein hätte nicht die gleiche Kostenbasis und das Volumen von Stellantis. Aber die Plattform erlaubt schon eine gewisse Freiheit für jede Marke. Das sehen Sie zum Beispiel im Innenraum an unserem i-Cockpit. Es war eine bewusste Entscheidung, den Innenraum so zu gestalten, weil wir das als Teil unserer Markenidentität sehen. Und unsere Kunden mögen diese Sitzposition und das kleinere Lenkrad, sie erwarten das jetzt von uns.

Sie entwickeln das Cockpit-Konzept im neuen 208 weiter. Stand das Design des Hypersquare-Lenkrads früh fest oder standen noch andere Entwürfe zur Debatte?

Es standen sicherlich mehrere Ideen zur Wahl, aber ich finde die Wahl richtig. Wir hätten auch wieder ein rundes Lenkrad machen können, aber das ist eben unser Spirit. Etwas Neues zu erforschen, auch in Sachen Fahrposition, ist schon sehr interessant. Und ich glaube, wir treffen damit wieder einen Nerv: Ein neuartiges Fahrerlebnis zu ermöglichen und gleichzeitig auch etwas, das das Autofahren erleichtert.

Peugeot
Sie gehen diesen Schritt mit dem 208, einem Modell, das extrem wichtig ist für Peugeot. Die Akzeptanz dieses Features kann über Erfolg und Misserfolg der Baureihe entscheiden.

Wir erleichtern den Übergang dadurch, dass es auch weiterhin ein herkömmliches Lenkrad geben wird. Obwohl wir wirklich absolut davon überzeugt sind, dass das die Lenkung der Zukunft ist. Nicht nur bei uns, sondern generell in der ganzen Industrie. Das ist nur eine Frage der Zeit.

Wird der aktuelle 208 wie bei den vorherigen Baureihen noch eine Zeit lang weiter gebaut?

Ja – für diejenigen Kunden, die bewusst keine neue Technologie suchen, sondern ein einfaches, bewährtes und preiswertes Auto werden wir das bisherige Modell weiter anbieten. Das ist in dieser Phase sehr wichtig, weil wir wissen, dass es eine Zeit lang dauern wird, bis der Markt zu 100 Prozent elektrisch wird. Wir glaubten ursprünglich, dass das bis 2030 soweit ist, das wird nicht der Fall sein. Jetzt ist es 2035 oder noch später, das wird sich ergeben. Aber es ist klar: Verbrenner-Modelle im B-Segment wird es nicht ewig geben. Darum erscheint es für uns auch logisch, in ein neues Modell zu investieren, das wirklich State of the Art sein wird, im zukunftsträchtigen Markt der BEVs im B-Segment. Und für den anderen Teil des Marktes, der irgendwann verschwinden wird, haben wir ein Auto auf einer bekannten und kostengünstigen Basis.

Gibt es ein Modell oder Konzept, das Sie gerne für Peugeot realisieren würden?

Etwas, das ich sehr gerne hätte, wäre sicher eine Art Halo-Modell. Die hat es früher immer gegeben bei Peugeot und nicht ganz zufällig haben wir heute einige davon gezeigt. Dass wir den E-208 GTI wieder einführen, ist sicher ein guter Weg und wir werden weiter daran arbeiten, dass wir auch solche Modelle wieder bringen. Das wäre mein Wunsch.

Einen elektrischen RCZ vielleicht?

Vieles ist denkbar, und als Markenchef träume ich von vielen Dingen. Wir müssen sie aber auch umsetzen können in etwas, das wirtschaftlich tragfähig ist. Daran arbeiten wir im Moment.