CEO von Alfa Romeo im Interview: Wie fährt die Traditionsmarke in die Zukunft, Herr Ficili?

Interview mit dem Chef der Traditionsmarke
Wie fährt Alfa Romeo in die Zukunft, Herr Ficili?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.10.2026
Wie fährt Alfa Romeo in die Zukunft, Herr Ficili?
Foto: Alfa Romeo
Herr Ficili, ist der Cuorerosso Vorbote auf ein neues Alfa Romeo-Modell?

Der Cuorerosso ist ein reines Concept Car. Weder eine Vorwegnahme eines Serienmodells noch eine reine Stilübung, sondern ein authentisches Manifest, das künftige Modelle inspirieren und aufzeigen soll, wie Alfa Romeo die neue Ära der Elektrifizierung gestalten will.

Bleibt er ein Einzelstück oder wird er Vorbild für eine Kleinserie wie die des 33 Stradale? Von dem bauen Sie 2027 die letzten Exemplare – wird ein Auto wie der Cuorerosso sein Nachfolger?

Nein. Der Cuorerosso ist ein Design-Manifest und keine Vorwegnahme dieses Projekts. Der für das kommende Jahr geplante Hero-Car in Kleinstserie von Bottegafuoriserie wird seinen eigenen kreativen und technischen Weg gehen. Weitere Details werden wir zu gegebener Zeit bekannt geben.

Als Antrieb schreiben Sie dem Cuorerosso ihren Biturbo-V6 wie beispielsweise aus der Giulia zu, aber mit Hybridunterstützung…

Das Konzept nimmt den Multi-Energy-Ansatz vorweg, mit dem Alfa Romeo in die Zukunft blickt. Dieser basiert auf einem Angebot, das bereit ist, vollelektrische, Plug-in-Hybrid-, Mild-Hybrid- und Vollhybrid-Lösungen anzubieten, um unterschiedlichen Nutzungsanforderungen gerecht zu werden. Eine Konfiguration, die Elektrifizierung im Sinne der Alfa-Romeo-Philosophie interpretiert und Technologie und Innovation in den Dienst von Fahrspaß und Sportlichkeit stellt.

Wäre aber für das neue Kleinstserienprojekt passend, oder?

Durchaus passend, ja. Das Konzept untersucht Ideen, die mit dem performance-orientierten Charakter von Alfa Romeo im Einklang stehen. Und an Performance wird es auch unserem neuen Hero-Car nicht mangeln, so viel kann ich verraten – die genaue Spezifikation aber noch nicht.

Bei den Großserienmodellen wird Alfa Ende nächsten Jahres die Produktion des Tonale, der Giulia und des Stelvio einstellen. Was sind die Zukunftspläne von Alfa, welche Modelle dürfen Fans erwarten?

Wir werden 2027 ein neues C-SUV einführen, zu einem späteren Zeitpunkt gefolgt von einem neuen Schrägheckmodell im C-Segment. Beide werden authentische Alfa Romeos sein, die italienisches Design, charakteristische Fahrdynamik und Multi-Energy-Technologie miteinander verbinden. Die Namen und weitere Produktdetails werden wir zu gegebener Zeit bekannt geben.

Und im D-Segment?

Giulia und Stelvio werden bis 2027 weiter produziert, einschließlich der Quadrifoglio-Versionen. Mit Blick auf die Zukunft prüfen wir neue Interpretationen unseres D-Segment-Portfolios. Dabei nutzen wir flexible Stellantis-Architekturen, um Multi-Energy-Lösungen anzubieten, die den Erwartungen der Kunden entsprechen und zugleich der Performance-DNA von Alfa Romeo treu bleiben.

Und bis dahin?

Bis dahin bleiben Giulia und Stelvio ein wichtiger Bestandteil unseres Angebots. Gleichzeitig wird das neue C-SUV unsere Präsenz in einem strategisch wichtigen Marktsegment stärken. Der Junior spielt bereits eine zentrale Rolle als Einstiegspunkt in die Marke und bestätigt die Relevanz unseres Ansatzes über verschiedene Antriebstechnologien hinweg.

Wird der Giulietta-Nachfolger ein Crossover?

Der Plan sieht ein neues Schrägheckmodell im C-Segment vor, das vom Geist von Modellen wie dem 147 und der Giulietta inspiriert ist, ohne die Vergangenheit einfach zu wiederholen. Der endgültige Name, die Proportionen und die technischen Spezifikationen wurden noch nicht bekannt gegeben.

Heißt, das wird ein rein elektrisches Auto?

Nein. Unsere Roadmap ist auf Multi-Energy ausgerichtet. Das künftige C-SUV und das Schrägheckmodell im C-Segment werden so entwickelt, dass sie unterschiedliche Antriebstechnologien aufnehmen können, einschließlich vollelektrischer Varianten. Damit können wir auf die unterschiedlichen Anforderungen von Kunden und Märkten reagieren.

Und wie viel vom Design des Cuorerosso werden wir bei den neuen Modellen wiederfinden?

Da der Cuorerosso ein 2+2-Coupé ist, lassen sich seine Proportionen nur in begrenztem Umfang auf ein SUV übertragen. Auch ein Kompaktfahrzeug ist deutlich kürzer als die 4,70 Meter des Cuorerosso. Dennoch wird auch von außen klar erkennbar sein, dass der Cuorerosso die Richtung vorgibt. Sein Innenraum mit deutlich weniger Bildschirmen ist ebenfalls richtungsweisend für alle neuen Alfa-Modelle: ein klarer Fokus auf das Fahren, weniger Ablenkung und mehr analoge Bedienelemente mit haptischem Feedback. Displays im Heimkino-Format wollen wir definitiv nicht.

Alfa und Maserati teilen sich stellenweise Technik – könnten Sie nicht von Maserati Alfa-Modelle fürs D-Segment ableiten?

Alfa Romeo ist eine sportliche Premiummarke, während Maserati im Luxussegment positioniert ist. Wir können ausgewählte Technologien und Kompetenzen gemeinsam nutzen, wenn dies einen Mehrwert schafft, wie wir es beispielsweise mit Projekten wie dem 33 Stradale und dem MCPura gezeigt haben. Jede Marke muss jedoch ihre klar differenzierte Identität, Positionierung und ihr eigenes Fahrerlebnis bewahren. Die künftigen Produktpläne von Maserati werden zu gegebener Zeit separat kommuniziert.

Was ist eigentlich ihr Lieblings-Alfa-Modell aus der Vergangenheit und aktuell?

Die lange Geschichte von Alfa Romeo bietet so viele Höhepunkte, dass wir noch morgen hier sitzen würden, wenn ich anfangen würde, sie alle aufzuzählen. Unter den aktuellen Modellen habe ich eine besondere Affinität zur Giulia, weil sie die Balance aus Schönheit, Fahrspaß und Performance verkörpert, die einen Alfa Romeo unverwechselbar macht. Aber jedes Modell in unserem Portfolio hat seine eigene Rolle und seinen eigenen Charakter.

Viele Alfisti teilen ihre Wertschätzung für die Giulia – aber wie ist der Absatz?

Wir veröffentlichen in diesem Zusammenhang keine detaillierten Zahlen auf Modellebene. Die Giulia bleibt eine wichtige Säule für das Image und die Performance von Alfa Romeo und wird bis 2027 weiter produziert, einschließlich der Quadrifoglio-Version.

Das liegt auch daran, dass der Markt vor allem SUV oder Crossover verlangt. Wird Alfa künftig außer dem Giulietta-Nachfolger überhaupt noch "flachere" Autos im Programm haben?

Unser künftiges Portfolio wird die Entwicklung der Kundennachfrage widerspiegeln, aber Alfa Romeo wird nicht durch eine einzige Karosserieform definiert. Wir arbeiten an einem ausgewogenen Portfolio, das auch ein Schrägheckmodell im C-Segment und neue Interpretationen für das D-Segment umfasst. Entscheidend ist, dass jedes Modell unverwechselbare Alfa-Romeo-Proportionen, Fahrdynamik und Emotion vermittelt.

Bislang hat Alfa nur eine rein elektrische Modellvariante im Programm. Werden künftig alle Baureihen elektrische Varianten haben oder wird es auch rein elektrische ohne Verbrenner geben?

Unsere Strategie ist Multi-Energy und kein "One-Size-Fits-All"-Ansatz. Flexible Architekturen ermöglichen es uns, je nach Segment, Kundenerwartungen und Marktbedingungen Hybrid- und vollelektrische Lösungen anzubieten. Wir werden nicht die gesamte Modellpalette auf eine einzige Technologie festlegen.

Motoren waren jahrzehntelang stilbildend für Alfa Romeo – wie erhält man den Charakter der Marke mit E-Antrieben?

Ein Alfa Romeo wurde noch nie allein durch seinen Motor definiert. Sein Charakter entsteht aus dem gesamten Fahrerlebnis: Lenkung, Fahrwerksabstimmung, Bremsverhalten, Sitzposition, Design und der emotionalen Verbindung zwischen Fahrer und Fahrzeug. Mit der Elektrifizierung besteht unsere Aufgabe nicht darin, die Vergangenheit zu imitieren, sondern diesen Charakter in eine neue Form zu übersetzen und ihn, wo möglich, noch stärker zur Geltung zu bringen.

Alfa ist nicht nur bei E-Autos technisch auf Stellantis Plattformen angewiesen. Wie wollen Sie Alfa künftig von Stellantis-Modellen abgrenzen?

Stellantis verschafft uns Zugang zu Skaleneffekten, flexiblen Architekturen und fortschrittlichen Technologien. Alfa Romeo differenziert sich durch eigenes Design, eigene Proportionen, die spezifische Abstimmung von Fahrwerk und Lenkung, die Wahl der Performance-Charakteristik, Materialien, handwerkliche Ausführung und ein konsequent auf den Fahrer ausgerichtetes Erlebnis. Die gemeinsame Plattform ist der Ausgangspunkt; das fertige Fahrzeug muss auf Anhieb als Alfa Romeo erkennbar sein.

Alfa Romeo – Teil von Fiat, Teil von Stellantis

Das Interview mit dem Alfa-CEO entstand am Rande einer Preview auf das Concept Car Cuorerosso in Turin, für Ficili lange Jahre Arbeitsort, für Alfisti vielleicht immer noch bemerkenswert. Denn Alfa Romeos Centro Stile befand sich Jahrzehnte in Mailand und von 1990 bis 2009 in Arese nahe Mailand. Die Entstehung eines Alfa-Romeo-Concept-Cars im berühmten Centro Stile von Fiat dokumentiert, dass die eine große italienisches Marke die andere schon lange vor Stellantis übernommen hatte.

Über Santo Ficili

Alfa Romeo

Der gelernte Schlosser und Maschinenbau-Techniker begann seine Laufbahn 1987 bei Fiat nach drei Jahren an der Lancia Business School. Aus dem Kundendienst kommend bekleidete er im Laufe seiner Karriere zahlreiche Führungspositionen im Pkw- und Nutzfahrzeuggeschäft des Unternehmens. Seit Oktober 2024 ist er CEO von Alfa Romeo und seit dem 1. Juli 2026 zusätzlich CEO von Maserati – auch eine der Marken von Stellantis mit langer Geschichte, ursprünglich aus Bologna, von dessen Neptunbrunnen der Dreizack im Logo von Maserati stammt.