Teilnehmer des Panels:
- Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG,
- Gernot Döllner, Vorstandsvorsitzender Audi AG,
- Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group AG,
- Michael Leiters, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG,
- Milan Nedeljkovic, seit Mitte Mai Vorstandsvorsitzender der BMW AG.
Auf der Bühne erläutern die CEOs der deutschen Hersteller, wie sie global Anschluss wahren wollen. Sie wenden sich aber auch gegen das strikte CO2-Emissions-Limit der EU für 2035, das sogenannte Verbrenner-Aus, und fordern zumindest Korrekturen auch am modifizierten 90-Prozent-Ziel der EU-Kommission. Ola Källenius bringt explizit den Entwurf des EU-Abgeordneten Massimiliano Salini (EVP) zur Reform der CO₂-Flottengrenzwerte für Autos und leichte Nutzfahrzeuge ins Spiel.
Im Podcast (ganze Aufnahme am Ende des Artikels) erklären Patrick Lang und Gerd Stegmaier, was der Salini-Entwurf ist, lassen die Aussagen der Panel-Teilnehmer in Einblendungen Revue passieren, reflektieren und kommentieren sie.
Widerstand gegen striktes Verbrenner-Aus
Die Unternehmenslenker sehen die deutsche Automobilindustrie in einer permanenten Transformation, in der traditionelle Stärken wie Design und Qualität allein nicht mehr ausreichen.

Die Chefs der deutschen Autobauer stellten sich bei Best Cars im Weißen Saal des Neuen Schlosses in Stuttgart den Fragen von auto motor und sport Chefredakteurin Birgit Priemer.
Die zentrale Erkenntnis der Runde: Während die technologische Innovationskraft aus ihrer Sicht ungebrochen ist, würden mangelnde industrielle Umsetzungskompetenz am Standort Deutschland und eine realitätsferne Regulatorik in Europa die Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Um gegen das chinesische Modell – das auf Marktprinzipien statt auf Verbote setze – zu bestehen, fordern die Hersteller mehr Geschwindigkeit, drastische Kostensenkungen und einen regulatorischen Rahmen, der sich an der Realität der Kunden und des Marktes orientiert.
Stehen die Autobauer zum E-Antrieb?
Mit dem regulatorischen Rahmen sind die CO₂-Limits der EU, das Verbrenner-Aus 2035 und damit letztlich auch die Antriebswende gemeint. Dass die Autobauer gleichzeitig mit ihr in eine Krise gerutscht sind, ist in zahlreichen Folgen des Moove-Podcast deutlich geworden. Weil sich die EU zum möglichst umfassenden Abschied von fossiler Energie verpflichtet hat, ist das Aus vom Verbrenner-Aus nicht die Lösung.
Mercedes-Chef Ola Källenius macht sich als Präsident des Hersteller-Verbands ACEA und im Panel aber zumindest für eine Aufweichung des strikten Verbrenner-Endes 2035 stark und weiß sich darin mit dem inzwischen Ex-BMW-Chef Oliver Zipse einig. Und VW-Konzernchef Oliver Blume korrigierte, als er zusätzlich noch Porsche-Chef war, den konsequenten Elektro-Kurs des Sportwagenherstellers und schob für den Macan den zunächst nicht geplanten Verbrenner-Nachfolger an.
Absage an elektrischen Porsche 911
Michael Leiters, Blumes Nachfolger bei Porsche, ordnet das in dessen Beisein so ein: "Wir stehen für Technologieoffenheit. Der Taycan war ein Leuchtturmprojekt und hat bewiesen, dass ein elektrischer Sportwagen mit 800-Volt-Technik überzeugende Fahreigenschaften haben kann. Es ist jedoch eine Frage der Geschwindigkeit; vielleicht waren wir etwas zu früh. (…) Wir investieren weiter fokussiert in Elektromobilität, wo es sinnvoll ist."
"Aber", so Leiters weiter, "einen rein elektrischen 911 wird es nicht geben. Dieses ikonische Produkt lebt von seiner Heritage; hier muss der Fortschritt über Verbrenner- und Hybridtechnologie gewährleistet werden".
Kontraproduktive Strafzahlungen
Oliver Blume, jetzt mit der Perspektive des Volumenherstellers, erklärt im Panel beispielhaft, wo die Hersteller Fehlsteuerungen der CO₂-Regelungen sehen: "Der Volkswagenkonzern hat im letzten Jahr in Europa einen Marktanteil bei elektrischen Fahrzeugen von 27 Prozent erreicht und das ist mit Abstand der stärkste, den es in Europa gibt. Wir sind aber trotzdem immer noch in einer Situation, (…) CO₂-Strafabgaben zu leisten. Und dann ist irgendwas nicht in Ordnung, wenn man doch Produkte hat, die im Markt erfolgreich sind. (…) Wir merken einfach, dass das Gesamtvolumen noch nicht da ist und dem muss man eben auch bei der Regulatorik Rechnung tragen."
Deshalb versucht der Podcast (siehe unten) einzuordnen, wie die deutschen Hersteller wirklich konkret zum Verbrenner-Aus bzw. der Elektromobilität stehen. Ist der E-Antrieb wirklich für alle die Zukunft? Und wann beginnt in ihren Augen die Vergangenheit des Verbrenners?
Drohende Produktionsverlagerung ins Ausland
Ola Källenius etwa sagt auf der Bühne: "Die europäische Automobilindustrie steht zur Elektromobilität." Aber das Tempo der Transformation hängt letztlich von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ab. Denn die Antriebswende kostet. "Keine andere Branche investiert annähernd so viel in Elektrifizierung und Dekarbonisierung", so der Mercedes-Chef weiter.
Und darum fordert er: "Wir müssen auch in diesem Land die Kosten senken! Diese Einsicht haben alle Akteure in der Automobilindustrie, jetzt brauchen wir das auch in der Gesellschaft und in der Politik. Und da helfen Wünsche und Sprüche nicht, sondern harte Aktionen. Das müssen wir einsehen und wir müssen auch agieren, denn sonst fließt das industrielle Kapital in andere Richtungen, auch unseres." In Kurzform: Wenn Reformen nicht gelingen, produzieren die Hersteller günstiger im Ausland.
Stärken des Standorts und Lösungen
Neben solch deutlichen Warnungen fallen im Gespräch zuversichtliche Aussagen: Audi-Chef Gernot Döllner ist sich sicher: "Die deutsche Automobilindustrie hat viel zu bieten. Meiner festen Überzeugung nach sind wir mit Abstand die besten Systemintegratoren mit dem tiefsten Verständnis für das Gesamtsystem Auto. Wir müssen jedoch unser Geschäftsmodell anpassen. In Bereichen wie Grundlagen-Technologien und Software müssen wir mit starken globalen Partnern zusammenarbeiten, um das beste System auf die Straße zu bringen. Wenn wir uns auf diese Stärken besinnen, können wir sehr optimistisch in die Zukunft schauen."
Und der neue BMW-Chef Milan Nedeljkovic sieht eine gute Mischung aus etablierten und neuen Strukturen: "Die Chancen sind da, denn wir haben ein starkes Fundament. In Deutschland gibt es zudem ein großes Start-up-Momentum."
Der Moove-Podcast in voller Länge
Die ganze Aufnahme dieser besonderen Folge unseres Moove-Podcasts mit umfangreichen Einblendungen aus dem Gespräch der fünf CEOs der deutschen Autohersteller mit Birgit Priemer sehen Sie hier:
