Ford-Strategie in Europa bis 2029: Interne Verbrenner, E-Autos von extern

Fords Strategie für Europa
Aufbruch in die Morgenröte oder Sonnenuntergang?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.05.2026

Ford bereitet für Europa unter dem Motto "Ready-Set-Ford" ("Auf die Plätze, fertig, Ford!") eine Modelloffensive vor. Sie soll binnen der nächsten drei Jahre allein fünf neue Pkw-Modelle an den Start bringen. Alle Fahrzeuge sind laut Christian Weingärtner, General Manager Passenger Vehicles bei Ford Europa, zwischen vier und 4,65 Meter lang und bewegen sich so in den Segmenten, die 80 Prozent des Volumens in Europa abdecken. Das könnte Lücken schließen, die das Aus von Fiesta und Focus gerissen hat. Allerdings werden die einst beliebten Modelle nicht 1:1 ersetzt. Ein klassischer Kompaktwagen in VW-Golf-Größe ist bei den 5 neuen Modellen gar nicht dabei und statt des Fiesta (Produktionsende Juli 2023), der sich im letzten vollen Produktionsjahr 2022 in Europa noch mehr als 160.000 Mal verkauft hatte, bringt Ford einen elektrischen Kleinwagen. Aber der Reihe nach

Elektro-Kleinwagen als Fiesta-Nachfolger

Ebenfalls für 2028 plant Ford einen rein elektrischen Fiesta-Nachfolger. Dafür greift der Hersteller erstmals auf die Technologie des neuen Partners Renault zurück. Vorgesehen sind zwei Fahrzeuge auf Basis der Ampere-Architektur. Im Fall des Fiesta-Nachfolgers die AmpR-Small wie beim R5. Entsprechend wird das erste der beiden E-Autos mit Renault-Technik ein Kleinwagen der Vier-Meter-Klasse (der Fiesta war 4,04 Meter, der R5 ist 3,92 Meter). Ford steuert hierfür eine eigenständige Außenform, ein eigenes Interieur-Konzept sowie eine sportliche Fahrwerksauslegung bei, während Renault Plattform, Akku und Antriebseinheiten zuliefert. Wie groß der Unterschied wird, lässt sich aktuell noch nicht beurteillen. Auf dem R5 basiert schon der Nissan Micra, der seine Verwandtschaft trotz drei Zentimeter mehr Länge kaum verleugnen kann. Beide neuen Elektro-Fords mit französischer Technik entstehen im Renault-Werk Douai in Nordfrankreich.

E-Crossover könnte Puma Gen-E beerben

Neben dem "Fiesta"-EV ist ein zweites kompaktes Elektrofahrzeug geplant. Es nutzt ebenfalls die Ampere-Plattform, soll jedoch als elektrischer Crossover ausgelegt sein. Als Ausgangspunkt dient die Architektur des Renault 4. Damit richtet Ford den Blick auf das stark wachsende Klein-SUV-Segment, das derzeit durch den Puma Gen-E abgedeckt wird. Ob das neue Crossover-Modell den Puma Gen-E ergänzen oder langfristig ersetzen soll, lässt Ford bislang unkommentiert. Fest steht: Mit den beiden Renault-Derivaten wird der untere Bereich des europäischen Elektroangebots künftig abgedeckt.

In den höheren Klassen der Elektrostrategie bleiben Explorer und Capri die zentralen Modelle. Beide verwenden den MEB-Baukasten von Volkswagen und laufen in Köln vom Band. Ford etabliert den Standort als Hauptfertigung für die beiden Elektro-SUV, die seit 2024 schrittweise auf den Markt gebracht wurden. Hinzu kommt der Puma Gen-E, der als kompaktes Elektro-SUV im Programm bleibt und technisch weiterentwickelt werden soll. Für die Baureihe nennt Ford perspektivisch eine Reichweite von bis zu 400 Kilometern und ergänzt das Angebot um die Fahrerassistenzfunktion BlueCruise.

Kleiner Bronco in Kuga-Größe

2028 bringt Ford ein neues SUV-Modell mit Multi-Energy-Antrieb aus Valencia. Dieser neue "robuste" Kompakt-SUV dürfte in der Größe dem Kuga nahekommen. Ford bezeichnet ihn als "neues Mitglied der globalen Bronco-Familie" mit hybridisierten Verbrennern und Plug-in-Hybrid-Varianten ("MultiEnergy"-Antrieb). Technische Basis ist wie beim Kuga und beim inzwischen eingestellten Focus die vermutlich überarbeitete C2-Plattform. Am Bronco soll sich vor allem das Design orientieren, dessen Offroad-Hardware wird aber keine Verwendung finden. Damit bleibt Valencia ein wichtiger Pfeiler der europäischen Pkw-Produktion.

Zwei Multi-Energy-Crossover

Gegen Ende des Jahrzehnts, voraussichtlich Ende 2029, plant Ford die Markteinführung von zwei zusätzlichen Crossover-Modellen "mit Rally-Genen". Auch diese beiden Modelle verfolgen bei den Antrieben einen "Multi-Energy"-Ansatz, kommen also nicht rein elektrisch, sondern auch mit hybridisierten Verbrennern- und PHEV-Konfigurationen auf den Markt. Näheres verrät Ford zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht. Die technische Basis könnte aber auch für diese Modelle mit externen Kooperationen entstehen. Aktuell ist Ford mit einer Vielzahl von möglichen Partnern im Gespräch, darunter offenbar auch chinesische wie Geely. Offiziell kommentieren die Verantwortlichen das aktuell nicht.

Nutzfahrzeug auch fürs Militär: Ford Ranger Super Duty

Das erste Modell der neuen Modelloffensive kommt von der Nutzfahrzeugsparte Ford Pro. Es handelt sich um den Ranger in der Super-Duty-Ausführung, also mit verstärktem Fahrwerk, zusätzlichem Unterbodenschutz und hoher Bodenfreiheit direkt ab Werk. Mit fast zwei Tonnen Nutzlast und bis zu 4,5 Tonnen Anhängelast scheut er sich nicht vor anspruchsvollen Arbeitseinsätzen in allen erdenklichen Sparten. Zudem soll der ab sofort in Europa verfügbare Ranger Super Duty Interesse bei der Rüstungsindustrie wecken.

E-Transporter Ford Transit City

Vor allem für urbane Lieferdienste bringt Ford Pro eine völlig neue Baureihe nach Europa: Den Transit City (siehe Fotoshow über dem Artikel), den Ford mit dem chinesischen Partner JMC entwickelt hat und der über einen reinen Elektroantrieb verfügt. Um die Komplexität gering und die Kosten niedrig zu halten, wird er in nur einer Standardkonfiguration angeboten. Er ist allerdings in drei Varianten erhältlich, einschließlich einer Fahrgestell-Version für individuelle Aufbauten. Der neue Transit City rollt noch in diesem Jahr zu den Ford-Pro-Händlern.

Mit der strategischen Neuausrichtung ordnet Ford Technik und Produktion konsequent nach Plattformen und Werken. Die Renault-basierten Elektroautos setzen auf AmpR-Small und AmpR-Medium, nutzen Akkus zwischen 40 und 52 kWh und sollen ab 2028 auf LFP-Zellchemie umgestellt werden. Die C2-Basis für das kompakte SUV aus Valencia stammt aus Fords eigener Entwicklung und bildet das Fundament für Hybrid- sowie Plug-in-Hybrid-Ausführungen. Explorer und Capri verbleiben beim MEB-Ansatz (VW) – damit stützt sich Ford in Europa auf drei technologische Standbeine mit separater Fertigung in Douai, Valencia und Köln.

Fazit