Deutsche Autobauer: Der Weg zurück zum Erfolg

Gastbeitrag
Zurück in die Erfolgsspur

ArtikeldatumVeröffentlicht am 29.05.2026
Harald Hamprecht, Thomas Sedran
Foto: Mario Andreya

Deutschland ist in Schieflage geraten. Die einstige Lokomotive Europas hat ein Kraftproblem. Nirgendwo zeigt sich das deutlicher als im Herzstück unserer Wirtschaft: der Automobilindustrie. Die Auto-Republik steckt im Perfect Storm: Disruption, geopolitische Brüche, brutaler Wettbewerb, Jobmassaker. Doch welche Handlungsempfehlungen lassen sich aus der Bestandsaufnahme ableiten? Zehn Thesen zu den aktuellen Herausforderungen und Risiken – und wie man ihnen produktiv begegnen kann.

1. Diese Krise ist neu in ihrer Wucht. Und ein Stresstest für die Existenz.

Deutschland und seine Autoindustrie stecken mitten im "Perfect Storm" – einer Krise historischen Ausmaßes, durch die Gleichzeitigkeit von Energie-, Wettbewerbs- und Strukturproblemen. Es ist an einer Weggabelung: Wer jetzt stehen bleibt oder falsch abbiegt, wird von der Landkarte gefegt.

2. Hört auf, mit dem Finger auf andere zu zeigen!

Nicht Peking. Nicht Brüssel. Viele Auto-Hersteller und -Zulieferer sind selbst schuld an dem Niedergang. Zu lange gezögert, zu bequem geworden, die Augen vor dem Unvermeidbaren verschlossen. Die meisten Probleme sind keine höhere Gewalt, sondern hausgemacht. Das ist kein Schicksal, das ist Managementversagen.

3. Radikale Innovationen erkannte die Branche frühzeitig, verschlief aber die Umsetzung.

Architekturen, Antriebe, Software, Batterien: Die Trends wurden durchaus früh erkannt – aber zu spät oder gar nicht beherrscht und skaliert. Wissen ohne Umsetzung ist wertlos – und in diesem Fall brandgefährlich. Operative Trägheit neutralisierte Deutschlands industrielle Stärke.

4. Der nächste China-Schnellzug hat längst den Bahnhof verlassen.

KI, Robotik, Drohnen: Deutschland diskutiert, China beschleunigt im Hochgeschwindigkeitsmodus. Staatlich subventioniert, skaliert. Wer jetzt noch analysiert und lamentiert, schaut bald nur noch hinterher. Und darf dann bestenfalls Kaffee servieren. Im Industrie-Freilichtmuseum.

5. Exzellenz fällt nicht vom Himmel.

Es geht auch anders! Die Besten zeigen, wie es geht – ob in der globalen Autoindustrie oder bei Big Tech: Resilienz, Effizienz und Innovationskraft entstehen durch radikale Prioritäten und kompromisslose Umsetzung, nicht durch Absichtserklärungen.

6. Die Kraft ist noch da – aber sie braucht Mut und Führung.

Fabriken, Ingenieure, Know-How und Kreativität – alles vorhanden. Was fehlt, ist Führung mit Biss. Der Weg zurück an die Weltspitze ist wie Hochleistungssport – ein Kraftprogramm aus Disziplin, Technologie und Geschwindigkeit. So kann jedes Unternehmen in 12 bis 18 Monaten wieder in die Spur gebracht werden.

7. Transformation ist kein Stuhlkreis, sondern ein Kraftakt.

Workshops sind keine Strategie, Roadmaps keine Ergebnisse. Sanfte Transformation ist meist gut getarnte Stagnation, die Beruhigungspille einer Branche im Niedergang. Zögern ist das neue Scheitern. Der Automobilmarkt kennt keine Geduld, der Kapitalmarkt noch weniger. Wer zu langsam transformiert, organisiert seinen Stillstand. Bürokratie und Micromanagement sind keine Nebengeräusche – sie sind die Bremsklötze der Zukunft. Komplexität ist ein Kostenblock und Geschwindigkeitskiller. Deswegen gilt: Einfach machen – im doppelten Wortsinn.

8. Schluss mit dem Konzern-Theater!

Matrix, Gremien, PowerPoint-Schlachten – maximale Lähmung bei minimaler Wirkung. Transformation beginnt mit klarer Ergebnisverantwortung. Alles andere ist Beschäftigungstherapie für überbezahlte Statisten.

9. Alte Stärke + neue Technologie = letzte echte Zukunftschance

Deutschland hat eine Chance: die Verbindung von tiefem Maschinenbauverständnis mit neuen Tech-Kompetenzen. Wachstum ist möglich – im Kerngeschäft und in neuen Geschäftsfeldern. Doch es wird effizienter, nicht beschäftigungsintensiver. Sprich: Selbst neue Geschäftsfelder werden vielleicht nicht zu mehr Beschäftigung führen. Aber immerhin die Abbaunotwendigkeit verlangsamen.

10. Berlin und Brüssel müssen liefern – stabile Rahmenbedingungen!

Unternehmen können nur so schnell laufen, wie das Spielfeld es zulässt – und die Linien auf diesem Spielfeld zieht die Politik. Wenn der Rasen ein einziger Acker ist, helfen auch die besten Stürmer wenig. Stabile Energiepreise, planbare Regulierung, schnelle Genehmigungen, leistungsfähige Infrastruktur, eine Steuer- und Abgabenstruktur, die Investitionen belohnt statt bestraft – das sind keine überzogenen Wunschzettel der Industrie. Das sind der Mindest-Standard einer wettbewerbsfähigen Volkswirtschaft.

Fazit: Genug geredet. Genug gejammert. Genug beschönigt! Es muss ein richtiger Ruck durch die deutsche Automobilindustrie gehen – und durchs ganze Land. Jetzt!

Dr. Thomas Sedran, Harald Hamprecht:
"Kraft statt Krise" – wie die deutsche Autoindustrie wieder Weltspitze wird
320 Seiten, 26,90 Euro
Delius Klasing, Bielefeld