Der chinesische Elektroautobauer BYD setzt auf Deutschland – trotz harter Konkurrenz, hoher Energiekosten und politischer Unsicherheiten. Deutschlandchef Lars Bialkowski erklärt, warum der hiesige Markt der entscheidende Gradmesser für den weltweiten Erfolg ist, weshalb BYD Hunderte Händler gewinnen will und warum Zölle aus seiner Sicht den Wettbewerb nicht aufhalten werden.
"Der deutsche Automarkt hat Vorzeigecharakter. Wenn du es hier schaffst, dann schaffst du es überall." Mit dieser Botschaft machte Lars Bialkowski, Deutschlandchef des chinesischen Elektroautobauers BYD, beim Event "Markenwirtschaft" in Stuttgart deutlich, welche Bedeutung der deutsche Markt für den Konzern hat.
Händler als Schlüssel
Dabei setzt BYD vor allem auf den Ausbau seines Vertriebsnetzes. "Ohne Händlernetz geht gar nichts", sagte Bialkowski. Bis Ende 2026 soll die Zahl der deutschen Handelspartner auf mehr als 300 steigen, langfristig sind 400 Standorte geplant. Zum Vergleich: Volkswagen arbeitet hierzulande mit rund 700 Händlern zusammen.

Beim Vertrieb setzt BYD klassisch auf Händler.
Gleichzeitig treibt BYD seine europäische Produktion voran. Das Werk in Ungarn hat bereits den Betrieb aufgenommen und soll perspektivisch bis zu 500.000 Fahrzeuge pro Jahr produzieren. Parallel sucht das Unternehmen nach einem zweiten europäischen Standort, möglicherweise in Südeuropa. Deutschland spielte bei den Überlegungen offenbar durchaus eine Rolle. Gegen einen Standort hierzulande spreche allerdings vor allem der Energiemarkt, erklärte Bialkowski.
Schelte für Politik
Deutliche Worte fand der Manager auch zur Politik. Ständige Änderungen bei der Förderung schadeten der Branche erheblich – insbesondere dem Gebrauchtwagenmarkt. "Nichts ist schädlicher für die Automobilbranche als das Rein und Raus der Förderungen", sagte er. Mit Blick auf die aktuelle E-Autoförderung ergänzte er: "Drei Milliarden Euro Geld vom Staat – und die Branche wollte es gar nicht haben."
Den internationalen Handelskonflikten, etwa aus den USA oder der EU, begegnet Bialkowski gelassen. Zölle seien zwar "ein Riesenproblem", könnten den Markt aber langfristig nicht aufhalten. "Am Ende setzt sich das beste Produkt durch."
Technischer Vorsprung für BYD
Selbstbewusst zeigt sich BYD bei der Technologie. Bei der Schnellladetechnik sieht Bialkowski einen Vorsprung von rund sechs Jahren. Besonders beeindrucke ihn die Geschwindigkeit, mit der das Unternehmen in China Entscheidungen umsetzt. Als Beispiel nennt er einen auf der IAA in München kritisierten Fahrzeugsitz: Innerhalb weniger Monate sei die komplette Serienproduktion auf eine neue Sitzlinie umgestellt worden.
Trotz des Optimismus weiß Bialkowski, dass BYD in Deutschland noch Überzeugungsarbeit leisten muss. Entscheidend seien funktionierende Händlerstrukturen und das Vertrauen der Kunden. Schließlich trete das Unternehmen gegen Hersteller an, deren Marken über Jahrzehnte gewachsen seien. BYD müsse sich diese Geschichte erst noch erarbeiten – und zeigt sich bereit, sich dafür konsequent auf den europäischen Markt einzustellen.
