Mercedes-US-Werk: 5 Millionen Autos, 4 Milliarden Investitionen

Mercedes baut Werk Tuscaloosa aus
5 Millionen Autos, 4 Milliarden Investitionen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.04.2026
Mercedes Tuscaloosa Werk Alabama
Foto: Mercedes

Es war ein durchaus visionärer Schachzug: Als 1993 die damalige Daimler-Benz AG unter der Führung von Edzard Reuter beschloss, ein Werk in Alabama aufzubauen, ging es weniger um Zölle als um eine effektivere Erschließung des US-Marktes. Der SUV-Boom und die zwischenzeitliche Fusion mit Chrysler waren noch nicht absehbar, doch mit der M-Klasse (W 163), dem Vorgänger der heutigen GLE-Baureihe, hatte man ein attraktives Konzept im Köcher – nicht nur für Nordamerika, wie sich herausstellte.

Gut 30 Jahre und drei erfolgreiche Modellgenerationen später sind SUV in zahlreichen Spielarten nicht nur bei Mercedes fester Bestandteil des Modellportfolios; auch das US-Werk in Tuscaloosa/Alabama spielt für den Konzern eine bedeutende Rolle im weltweiten Produktionsverbund: Insgesamt fünf Millionen Fahrzeuge sind seit Aufnahme der Fertigung dort vom Band gelaufen, rund 60 Prozent der Produktion gehen heute in den Export. Vor dem Hintergrund teils schwer kalkulierbarer Belastungen durch Zölle allerdings ein zweischneidiges Schwert.

3,43 Milliarden Euro Invest

Dennoch nutzte CEO Ola Källenius das Produktionsjubiläum und die parallel präsentierte Modellpflege der Baureihen GLE und GLS, um die Verbundenheit des Unternehmens zum Standort zu bekräftigen und vor Ort weitere Investitionen anzukündigen: "Wir waren der erste ausländische OEM mit einer eigenen Fertigung in den USA – und wir werden diese weiter stärken." Bis 2030 sollen rund vier Milliarden Dollar (ca. 3,43 Mrd. Euro) in den Aufbau einer neuen Fertigungslinie für die auch in den USA populäre GLC-Baureihe fließen.

Mit dieser Ausweitung würden künftig die wichtigsten SUV-Modelle von Mercedes für den amerikanischen Markt allesamt vor Ort entstehen. "Wir setzen damit unsere Lokalisierungsstrategie fort," betonte US-Chef Jason Hoff. Der Mittelklasse-SUV GLC läuft bislang ausschließlich im Werk Bremen von Band und fällt unter die seit August geltenden US-Einfuhrzölle auf europäische Autos in Höhe von 15 Prozent. Allein in den verbleibenden Monaten 2025 beliefen sich die Belastungen für Mercedes dadurch auf insgesamt rund eine Milliarde Euro.

Derzeit werden am Standort Tuscaloosa die SUV-Baureihen GLE und GLS gefertigt (inklusive Coupé-, AMG- und Maybach-Varianten) sowie die SUV-Versionen der Elektro-Modelle EQE und EQS. Das Produktionsnetzwerk von Mercedes-Benz umfasst neben den deutschen Standorten rund 30 Komponenten- und Montagewerke weltweit, darunter in Spanien, Südafrika und China. Jüngster Neuzugang ist das Werk im ungarischen Kecskemét, wo seit 2012 die GLB-Baureihe entsteht.