Der Leasinganbieter Ayvens, hervorgegangen aus den Marken ALD Automotive und LeasePlan, hat seine gewerblich zugelassenen Pkw über alle Antriebsarten hinweg ausgewertet. Grundlage ist eine Datenbasis aus Flottenkunden, die Einblicke in die Vorlieben von Fuhrparkverantwortlichen und dienstwagenberechtigten Nutzern gibt.
Beliebteste E-Autos von Skoda und VW
Das Ergebnis: Der Ford Focus ist aktuell das meistgewählte Dienstfahrzeug bei Ayvens in Deutschland. Aber hinter dem Kompaktmodell folgen mit dem Škoda Enyaq und dem Volkswagen ID.7 gleich zwei Elektroautos auf den Plätzen zwei und drei. Damit rücken batterieelektrische Modelle erstmals in der Analyse des Leasing-Anbieters in die Spitzengruppe vor. Im Vorjahr war mit dem Enyaq lediglich ein Elektroauto unter den zehn meistgeleasten Dienstwagen vertreten.
In der aktuellen Auswertung ist der Anteil elektrifizierter Modelle deutlich gestiegen. Neben Enyaq und ID.7 haben es auch der Smart #5 und der Polestar 4 in die Top 10 geschafft. Damit stellt diese Antriebsart inzwischen einen erheblichen Teil der beliebtesten Dienstwagenmodelle. Parallel dazu verschiebt sich die Nachfrage bei den Karosserieformen: SUV-Modelle dominieren das Feld, während klassische Kombis an Bedeutung verlieren.
Auf den weiteren Plätzen folgen konventionell angetriebene Modelle wie der Mercedes GLC und der Škoda Kodiaq, die sich nahezu gleichauf positionieren. Dahinter rangiert die BMW 3er-Baureihe als Vertreter der klassischen Mittelklasse.
Neue Modelle werden E-Anteil weiter erhöhen
Und gerade hier könnten sich 2026 weitere Verschiebungen in Richtung E-Antrieb ergeben. Denn während es zum Skoda Kodiaq mit dem Enyaq schon ein elektrisches Quasi-Pendant gibt, feiern elektrischer GLC (EQ) und 3er-BMW (i3) gerade Produktionsstart bzw. Premiere (der i3 rollt ab August vom Band). Und mehr noch als der Enyaq taugen GLC EQ und i3 mit Reichweiten von gut 700 bzw. 900 Kilometern sowie Nachladen von mehr als 300 bzw 400 km in 10 Minuten als vollwertiger Verbrenner-Ersatz sogar für Langstreckenfahrer.
Im hinteren Bereich der Top 10 liegen mehrere Modelle eng beieinander. Hier entscheiden Unterschiede im Bereich von Hundertstelprozentpunkten über die genaue Platzierung. Der Polestar 4 behauptet sich in diesem Feld knapp vor dem Škoda Octavia und dem BMW X3. Der Bayern-SUV dürfte sich 2026 ebenfalls selbst Konkurrenz machen: Der iX3 (Reichweite 805 km) erfreut sich bereits kurz nach Produktionsstart großer Nachfrage, die die Erwartungen der Münchner deutlich übertrifft.
Reichweite doppelt entscheidend
Wie weit ein E-Auto mit einer Ladung kommt, mag bei den meisten Alltagsfahrten zweitrangig sein. Aber die Lieblings-Stammtischgröße sendet wichtige Signale, die für den Erfolg von E-Autos entscheidend sind:
1. Das E-Auto zieht auch in diesem Bereich mit dem Verbrenner gleich, der bis zuletzt immer neben der Ladegeschwindigkeit noch als große Einschränkung gegenüber dem Verbrenner galt: Der E-Antrieb hat bei der Marktreife mit dem Verbrenner gleichgezogen.
2. Mit Reichweiten jenseits der 700 Kilometer scheint eine Schwelle überschritten, die offenbar als nicht mehr zwingend als steigerungsbedürftig gilt. Wenn entsprechend keine großen Sprünge mehr zu erwarten sind, brauchen Kunden nicht mehr auf die nächste Modellgeneration zu warten, um auf den E-Antrieb umzusteigen.
3. Modellwechsel ohne deutliche Technologiesprünge sind in der Folge gut für die Wertstabilität der verfügbaren Modelle. Und weil der Wertverlust wichtigster Kostenfaktor beim Auto ist, verbessert sich die ökonomische Bilanz von E-Autos, was wiederum für das kostensensible Flottengeschäft von höchster Bedeutung ist.

Der neue BMW i3 schafft nach WLTP 900 km mit einer Ladung und kann in zehn Minuten bis zu 400 km Reichweite nachladen.
Am Rande der Veranstaltung zur Neuvorstellung des BMW i3 war jedenfalls zu hören, dass große Flottenkunden die 900 Kilometer WLTP-Reichweite des Elektro-3ers genauso interpretieren und dem Modell ein entsprechend stabiles Restwertverhalten zutrauen, zumal sich die Einstiegspreise denen vergleichbarer Verbrenner annähern.
Große Fuhrparks wollen bis 2030 vollelektrisch sein
Siemens beispielsweise hat eine Unternehmensflotte aus 43.000 Fahrzeugen, von denen 13.000 reine E-Autos sind, also etwa 30 Prozent. Der Konzern "hat sich im Rahmen der EV100‑Initiative verpflichtet, seine gesamte Unternehmensflotte bis 2030 vollständig zu elektrifizieren".
SAP hält etwa 18.000 Fahrzeuge für Mitarbeiter. Aktuell fahren bereits 38 Prozent der Flotte rein elektrisch. Das Softwareunternehmen wird in Deutschland 2030 ebenfalls "fast keine Verbrenner" mehr in der Flotte haben.
Die Telekom unterhält etwa 17.000 Fahrzeuge in Deutschland, davon sind etwa 5.500 Geschäftsfahrzeuge. Und bei letzteren geht die Umstellung auf den E-Antrieb besonders schnell: "Stand Ende 2025 sind über 60 Prozent der Geschäftsfahrzeuge elektrifiziert. Die komplette Elektrifizierung der Geschäftsfahrzeugflotte streben wir bis Ende 2027 an", sagt Alexandra Hörsch, Pressesprecherin bei der Telekom. Da Dienstwagen im zweiten Leben vielfach auf dem Gebrauchtmarkt landen, könnten sie dort vermehrt in Privatkundenhand gelangen.
Angesichts galoppierender Spritpreise haben E-Autos auch einen positiven Einfluss auf die Energiekosten: Im Monat tankt der Telekom-Fuhrpark ca. 1,5 Millionen Liter. Weil der nicht elektrifizierte Flottenanteil aktuell hauptsächlich mit Diesel betrieben wird, ergeben sich bei der Spritrechnung überschlägig monatliche Mehrkosten von mehr als 700.000 Euro.
Hohe Spritkosten zaubern E-Autos in den Fokus
Die steigenden und schwankenden Kraftstoffpreise wirken sich offenbar ebenfalls auf das Kaufverhalten von Privatkunden aus. Das legt zumindest eine aktuelle Umfrage (12. März 2026) des Vergleichsportals für Neuwagenangebote von Händlern Carwow nahe. Von 1.164 Nutzerinnen und Nutzern der Plattform gibt fast jede zweite befragte Person (48 Prozent) an, dass steigende Benzin- und Dieselpreise ihre Entscheidung beeinflussen würden, ein Elektro- oder Hybridfahrzeug eher in Betracht zu ziehen. Weitere 22 % beobachten zunächst die Marktentwicklung, während 28 % angeben, dass steigende Kraftstoffpreise ihre Haltung bisher nicht verändert haben.
Carwow interpretiert die Ergebnisse so, dass Preisunsicherheit an der Tankstelle zunehmend zu einem Treiber für alternative Antriebe wird. Nachdem ein Ende des Iran-Krieges und vor allem der damit einhergehenden Preisentwicklung für Benzin und Diesel nicht absehbar ist, dürfte sich der E-Antrieb noch länger als Alternative aufdrängen.
In den Carwow-Nachfragedaten spiegelt sich ebenfalls steigendes Interesse an E-Autos wider. Anfang März hat sich der Anteil der Elektroauto-Konfigurationen auf der Plattform nach eigenen Angaben deutlich erhöht: Während er Ende Februar bei rund 55 % lag, stieg er in der ersten Märzwoche kontinuierlich an und bewegte sich zwischen 2. und 12. März überwiegend zwischen 61 Prozent und 66 Prozent. Am 11. und 12. März lag der EV-Anteil jeweils bei rund 63 Prozent.
E-Autos weltweit auf dem Vormarsch
In den Flotten von Ayvens zeigt sich auch global ein wachsender Anteil elektrifizierter Antriebe. Im Jahr 2025 entfielen 43 Prozent der Neuzulassungen des Anbieters auf elektrifizierte Pkw, darunter 32 Prozent vollelektrische Fahrzeuge und 11 Prozent Plug-in-Hybride. Im Vergleich zum Vorjahr mit 39 Prozent ergibt sich damit ein weiterer Anstieg.
Ayvens bezeichnet sich als führenden Anbieter für Mobilitätsdienstleistungen in Deutschland und verwaltet nach eigenen Angaben rund 320.000 gewerblich genutzte Fahrzeuge. Der Blick auf die Neuzulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) für 2025 zeichnet ein differenziertes Bild. Demnach befinden sich unter den zehn Modellen mit den höchsten Zulassungszahlen vorrangig Verbrenner-Modelle, der Anteil an gewerblichen Neuzulassungen liegt teilweise bei über 90 Prozent. Allerdings waren 2025 die Spritpreise noch erheblich günstiger und die reichweitenstarken Neuheiten noch kaum bestellbar.
In der Bildergalerie zeigen wir die 50 meistverkauften Elektroautos in Deutschland 2025 mit ihren Zulassungszahlen.
