Der VW-Konzern will seine Produktionskapazitäten weltweit von etwa zehn auf neun Millionen Fahrzeuge herunterfahren. Vor der Corona-Zeit hatte die Zahl noch bei zwölf Millionen gelegen. In Deutschland sollen von etwa 2,4 Millionen maximal möglichen Einheiten 730.000 abgeschmolzen werden (ohne Porsche). Global könnten damit 100.000 der aktuell 657.000 VW-Jobs wegfallen, davon möglicherweise 50.000 in Deutschland.
Hierzulande gelten die Werke Hannover, Zwickau und Emden sowie der Audi-Standort Neckarsulm als gefährdet. VW will seine Modellpalette schrittweise um bis zu 50 Prozent straffen und die Angebotskomplexität (etwa Ausstattungsvarianten) um bis zu 75 Prozent reduzieren. Zuvor hatte bereits Porsche mitgeteilt, zusätzlich zu den bisher bekannten 3.900 Arbeitsplätzen weitere 4.000 streichen zu wollen. Mercedes will von der 35- zur 40-Stunden-Woche zurückkehren. 5.500 Beschäftigte haben das Unternehmen im Rahmen eines Freiwilligenprogramms verlassen.
Im Schnitt nur 59 Prozent Auslastung
Es kristallisiert sich immer stärker heraus: Die Rahmenbedingungen für die deutsche Autoindustrie werden immer schwieriger. Die ersten Auswirkungen zeigen sich schon jetzt: Laut einer Analyse der Unternehmensberatung BCG sind Europas Autofabriken im Schnitt nur zu 59 Prozent ausgelastet. Die Profitabilität beginnt bei etwa 80 Prozent. Die Überkapazitäten liegen laut BCG europaweit bei 5,4 Millionen Einheiten.
"auto motor und sport" hat die Auslastung deutscher Werke überschlagen (siehe Tabelle unten). Weil kein Hersteller die technische Kapazität veröffentlicht, basieren die angegebenen Daten auf eigenen Recherchen. Bei einigen Marken (etwa VW) ist die technische Kapazität zwar größtenteils noch da, Personal aber bereits abgebaut. Die Folge: ein auf den ersten Blick niedriger Auslastungswert.
Nur 20 % bei Ford, BMW nahe an 100 %
Besonders niedrig ist dieser bei Ford in Köln. Unseren Recherchen zufolge war das Traditionswerk im vergangenen Jahr nur zu beunruhigenden 20 Prozent ausgelastet: Einer Kapazität von etwa 250.000 Fahrzeugen standen 2025 lediglich 50.000 tatsächlich produzierte E-Autos gegenüber. Deutlich besser sah es bei BMW aus: Die Fabriken in Dingolfing (93 Prozent) sowie München und Regensburg (jeweils 89 Prozent) operierten nahe ihrer Kapazitätsgrenze. Lediglich das Werk Leipzig sticht mit einer Auslastung von 65 Prozent negativ heraus – über dem bundesweiten Schnitt liegt es dennoch.
Legende
Quellen: eigene Recherchen, Hersteller, Inovev; (1) geplant; (2) genehmigt: 500 000; (3) geplant: 400 000; (4) geplant: 130 000; (5) in einigen Werken nur Produktion, in anderen Produktion und Firmenzentrale.
Branchentrend: Die Produktion eher gewinnärmerer Klein- und Kompaktwagen wie Golf (soll ab 2027 nach Mexiko) oder Mercedes CLA (Ungarn) geht tendenziell ins Ausland, margenstärkere Premium- und Luxusmodelle bleiben im Land – etwa die S-Klasse in Sindelfingen. Die Kapazitätslücken könnten chinesische Hersteller oder Rüstungsunternehmen füllen: Mercedes verhandelt über das Werk Ludwigsfelde mit KNDS (Panzerbau), Volkswagen über das Werk Osnabrück mit Rafael, dem Hersteller des Raketenabwehrsystems Iron Dome aus Israel.
Umschichtung nach Spanien und Ungarn
Grundsätzlich findet eine tiefgreifende Umschichtung der Tätigkeiten entlang der Wertschöpfungskette statt. Dies betrifft auch Zulieferer, die bislang stark im Geschäft mit konventionellen Verbrennern waren, etwa Bosch, ZF, Mahle oder Continental. Diese sehen sich nun gezwungen, systematisch Stellen abzubauen. Gleichzeitig müssen auch neue Akteuere in Zukunftsfeldern wie der Akkuproduktion unter starkem Druck aufgeben (Northvolt, Cellforce) oder ehrgeizige Projekte stoppen (ACC: Batteriefertigung in Kaiserslautern und Termoli/I). Profiteure am Batteriemarkt sind etablierte Player wie PowerCo, CATL und BYD.
Geografisch betrachtet können derzeit Spanien und Ungarn als Gewinner gelten. Die iberische Halbinsel profitiert von der Ansiedlung der Kleinwagen-BEV-Produktion des VW-Konzerns (VW ID. Polo/Cross, Skoda Epiq, Cupra Raval) und ist gleichzeitig ein beliebter Brückenkopf für den Markteintritt chinesischer Hersteller in Europa (etwa Chery in Barcelona). Ungarn wird durch die Standorte von Audi, Mercedes und künftig auch BYD ebenfalls zu einem markenübergreifenden BEV-Schwerpunkt.
