Die Leasinggesellschaft AIL macht mit 30 Mitarbeitern 440 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Die Firma ist seit 40 Jahren im Geschäft und betreibt quasi Boutique-Leasing: Sie sucht und vermittelt Kunden ihren Traumwagen und stellt die Finanzierung. Das kann vom Fiat 500 über den Ferrari Roma zum Porsche Carrera GT alles sein, aber eben auch Fahrzeuge, von denen es nur einstellige Stückzahlen weltweit gibt und die mehrere Millionen Euro teuer sind wie der erwähnte Koenigsegg One:1. Wir sprachen mit Christian Finke, CEO von AIL (Claim: macht Autoräume wahr).
Christian Finke: In Frankfurt, aber auf dem Weg nach Marokko.
Finke: Ich kann dort hoffentlich zwei Fahrzeuge einkaufen.
Finke: Das ließ sich jetzt nicht aufschieben. Tatsächlich gibt es zwei Hypercars, die könnten für einen Kunden interessant sein: ein Ferrari F40 mit wenig Kilometern, der in Marokko verkauft wird, und ein Enzo ist noch im Gespräch.

Ein Ferrari Enzo.
Christian Finke: Ja genau, ich habe einen Kunden, der sucht die zwei Fahrzeuge als Anlage und die wird er dann bei uns finanzieren.
Finke: Leasing ist im Endeffekt eine Nutzungsüberlassung über eine gewisse Zeit, eigentlich nichts anderes als eine Miete. Beim klassischen Leasing nutzen Sie das Fahrzeug und geben es am Ende der Laufzeit der Gesellschaft zurück. Davon zu unterscheiden ist das Financial Leasing, eigentlich das Pendant zu einer Finanzierung. Hier besteht am Ende oft die Absicht oder das Recht des Kunden, das Fahrzeug zu einem noch zu vereinbarenden Preis zu übernehmen.
Finke: Der entscheidende Unterschied liegt in der Mehrwertsteuer. Wenn eine Leasinggesellschaft ein Fahrzeug gewerblich hält, bleibt die Mehrwertsteuer über die gesamte Vertragslaufzeit erhalten und kann weiterhin ausgewiesen werden. Würden Sie das Auto als Privatperson kaufen oder finanzieren, wäre die Mehrwertsteuer in dem Moment "weg" und könnte bei einem späteren Verkauf nicht mehr ausgewiesen werden.
Finke: Für den internationalen Markt ist es entscheidend, ob ein Fahrzeug netto oder brutto gehandelt wird. Eine Leasinggesellschaft kann das Fahrzeug jederzeit wieder netto zuzüglich Mehrwertsteuer verkaufen. Das eröffnet Privatkunden den Zugang zu einem viel breiteren, internationalen Markt, da Aufkäufer dort oft nur den Nettobetrag finanzieren wollen.
Finke: Die Rate ergibt sich auch hier aus der angenommenen Nutzungsdauer, der prognostizierten Fahrleistung und der Einschätzung des Restwerts nach drei oder vier Jahren. Im Financial Leasing ist zudem immer ein Tilgungsanteil enthalten. Man kann nicht nur Zinsen zahlen und auf den Wertzuwachs hoffen; die Systematik der Refinanzierung verlangt eine Tilgung von etwa 25 bis 30 Prozent über drei Jahre.
Finke: Bei diesem Fahrzeug belief sich die monatliche Leasingrate auf 31.000 Euro netto. Obwohl man bei einem solchen Auto eher eine Wertsteigerung als einen Wertverlust erwartet, ist der Tilgungsanteil in der Rate enthalten. Der Kunde profitiert am Ende dennoch vom Wertzuwachs, wenn er das Fahrzeug zu einem festgesetzten Preis ablöst und dann teurer weiterveräußert.
Finke: Es geht um ein Rundum-Sorglos-Paket. Das fängt bei der weltweiten Suche nach dem Wunschfahrzeug an – wie aktuell bei den Ferraris in Marokko – und reicht über die Überprüfung der Echtheit beim Hersteller bis hin zur Versicherung und Einlagerung. Unsere Kunden finden bei uns Porsche, Lamborghini und Ferrari an einer zentralen Stelle. Wir bieten zudem eine spezialisierte "Storage"-Lösung an, da viele Kunden ihre Fahrzeuge als Wertanlage sehen und sie kaum bewegen.
Finke: Für Fahrzeuge wie den Bugatti Chiron liegen die Prämien bei etwa 30.000 Euro im Jahr. Dafür verlangt die Versicherung aber auch eine Garage mit Alarmanlage, Sprinkleranlage gegen Feuer, Videoüberwachung und oft sogar spezielles Sicherheitsglas oder Poller. Die Fahrleistung ist dabei meist extrem eingeschränkt, beispielsweise auf nur 200 Kilometer im Jahr.
Finke: Ja, die Nürnberger Leasing ist tatsächlich insolvent. Das Problem: Gegen Unterschlagung hilft eine Vollkasko nicht. Wir führen deswegen regelmäßige "Floorchecks" durch, besuchen also die Kunden einmal im Jahr und prüfen, ob die Fahrzeuge noch da sind – sofern sie nicht ohnehin bei uns im Storage stehen. Das Hauptproblem in Deutschland ist jedoch, dass der Kfz-Brief nicht zweifelsfrei den Eigentümer ausweist, sondern nur den Halter.
Finke: Absolut. Ein Register, das den Eigentümer und den Finanzierungsgeber ausweist, würde Doppelfinanzierungen unmöglich machen. In Ländern wie Kroatien oder der Slowakei ist das bereits deutlich transparenter gelöst. In Deutschland wird das oft mit Datenschutz-Argumenten verhindert, was ich für hanebüchen halte, da man auch beim Grundbuch ein berechtigtes Interesse für den Einblick nachweisen muss.
Finke: Bei Exoten brauchen wir absolute Gewissheit über die Identität des Fahrzeugs. Wir prüfen Fahrgestellnummern direkt in den Werksdatenbanken, um sicherzustellen, dass das Fahrzeug authentisch ist. Wir sind seit Jahrzehnten im Ferrari-Umfeld tätig und haben Ende der 1990er-Jahre die Ferrari Financial Services aufgebaut. Dadurch ist ein enges Netzwerk auch zu anderen Herstellern, Händlern und Sammlern entstanden.
Finke: Ja, auch im Volumensegment können wir sehr gute Lösungen anbieten, wenn es etwa um einen Fiat 500 für die Familie geht. Der Unterschied ist auch hier der persönliche Service: Wir treffen jeden unserer Kunden persönlich an.
Finke: Ich habe ursprünglich Bankkaufmann gelernt und BWL studiert. Die Leidenschaft zum Auto war immer da. Früher waren wir ein Standard-Leasinggeber, aber durch den Wettbewerbsdruck der herstellereigenen Banken haben wir uns in der Hochpreis-Nische neu positioniert. In diese Welt sind wir über Jahrzehnte hineingewachsen. Und auch die Zukunft ist gesichert: Heute arbeiten wir mit einem jungen Team, bei dem 80 Prozent der Vertriebler unter 30 Jahre alt sind.

Christian Finke ist CEO von AIL Leasing.
