Am 28. Februar begann der Angriff der USA und Israels auf den Iran. Im März 2026 verteuerten sich Kraftstoffe im Schnitt um mehr als 20 Prozent, Diesel legte zeitweise gar um bis zu 44 Prozent zu. Das stürzt weite Teile der Wirtschaft in eine Krise und belastet die Bevölkerung. Eine kurzfristige Entlastung tut Not, eine stumpfe Senkung der Spritpreise durch staatlich finanzierte Maßnahmen hingegen nicht. Denn das würde neben einer Entlastung mit der Gießkanne auch dort, wo es nicht nötig ist, dafür sorgen, dass der Verbrauch staatlich subventioniert gleich bleibt. Dabei ist seit Jahren völlig klar, dass wir den Verbrauch fossiler Energie drastisch senken müssen, um
- CO2-Emissionen zu senken,
- auf günstigere regenerative Energiequellen umzustellen,
- und die Abhängigkeit von Energieimporten zu reduzieren.
Bei fossiler Energie sparen heißt Importe sparen
Laut der Arbeitsgemeinschaft (AG) Energiebilanzen hat Deutschlands Volkswirtschaft 2024 beispielsweise 69 Milliarden Euro für den Import von Erdöl, Gas und Kohle ausgegeben (Ausfuhren abgezogen). Allein der Import von Rohöl kostete 51 Milliarden Euro. Höhere Importkosten, etwa durch gestiegene Rohölpreise, schmälern in der Regel die Bruttowertschöpfung.
Kurzfristig steigende Preise können den Verbrauch in gewissem Maße senken, die Reaktionsfähigkeit ist aber natürlich beschränkt: Gewisse Fahrten mit Lkw beispielsweise lassen sich schlecht einsparen. Von den Folgen für von Transport oder Energie abhängige Wirtschaftszweige ganz zu schweigen. Langfristig absehbar steigende Preise erweitern Spiel- und Zeitraum für die Suche nach Alternativen, sinkende Preise lassen den Verbrauch steigen bzw. motivieren zumindest nicht zum Sparen.
Weniger und langsamer fahren?
Kurzfristig sparen mag zwar nur eingeschränkt möglich sein, ist aber simpel: Beim Sprit heißt das, weniger fahren, wo es geht, und langsamer fahren. Simpel heißt, das kann jeder, der muss. Glücklich, der nicht muss. Ist das gerecht? Nein, aber soziale Gerechtigkeit steuert man nicht mit dem Spritpreis, sondern eben mit Steuern und Sozialabgaben. Insofern mögen Forderungen nach einem Tempolimit folgerichtig logisch klingen, weil dies mutmaßlich den Spritverbrauch Deutschlands insgesamt senkt. Um wie viel ist die Frage. Denn es ist davon auszugehen, dass ein großer Teil der Autofahrer freiwillig langsamer fährt. Dass es manche nicht tun, mag ungerecht und in Teilen unsozial sein. Aber je kleiner der Teil derer, die dennoch schnell fahren wollen, desto weniger lohnen sich, von der Moral abgesehen, Debatten, Gesetze und ihre Überwachung.
Am Ende ist es wie mit dem Spritpreis-Deckel während des Ukraine-Kriegs: Es brennt und alle streiten stundenlang, ob man ins Feuer spucken soll. Der Spritpreis-Deckel hat den Staat (sprich: uns alle) drei Milliarden Euro gekostet, kam bei den Autofahrern nicht an und am Ende des Geldes stieg der Preis wieder dahin, wo er herkam.
Fahren geht auch ohne Sprit
Mehr als langsamer Fahren bringt halt gar nicht fahren, mehr als Spritsparen hilft es, ganz ohne Benzin und Diesel voranzukommen. Viele, die nicht aufs Auto verzichten wollen oder können, und das sind angesichts eines ÖPNV im Dauer-Investitionsstau verdammt viele, haben längst verstanden und wenden sich verstärkt der Elektromobilität zu: Das Interesse an gebrauchten E-Autos steigt ähnlich sprunghaft wie die Spritpreise.
Auch bei den Neuzulassungen stieg der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge im ersten Quartal 2026 um 41,3 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr. Der E-Auto-Anteil wuchs auf 22,8 Prozent, nach 17 Prozent im ersten Quartal 2025. Dabei legten die Kraftstoffpreise erst im März deutlich zu, also nur in einem von drei betrachteten Monaten.
Vorbild Frankreich?
Dass man eine solche langfristige und gewünschte Entwicklung staatlicherseits selbst in kurzfristigen Krisen sehr wohl unterstützen kann, zeigt ausgerechnet das krisengeschüttelte und verschuldete Frankreich, wie etwa die Süddeutsche berichtet: Premierminister Sébastien Lecornu kündigte am Freitag einen "Elektrifizierungsplan" an, der beim Umstieg auf E-Autos und Wärmepumpen helfen soll. Die Förderungen im Verkehrsbereich sollen von 1,7 auf 4,3 Milliarden steigen.
Damit wird die Umrüstung von Flotten auf E-Autos gestützt und das sogenannte Sozial-Leasing ausgebaut. Das gibt es bereits seit 2024 und richtete sich bisher an Geringverdiener mit einem Jahresverdienst von weniger als 16.300 Euro netto, die beruflich bedingt mehr als 8000 Kilometer pro Jahr mit dem Fahrzeug zurücklegen. Die Verdienstgrenze soll auf 24.000 Euro netto pro Jahr steigen, die monatliche Unterstützung fürs Leasing bleibt bei 200 Euro. Das allein soll 50.000 E-Autos fördern. Und: Speditionen sollen für die Umrüstung aus E-Lkw bis zu 100.000 Euro erhalten. (Wie hilfreich die Befreiung der Elektro-Brummis von der deutschen Lkw-Maut sein kann, lesen Sie hier).
Was heißt Heizungs-Hammer auf Französisch?
Zugegeben: Über ein Tempolimit brauchen sich die Franzosen den Kopf nicht mehr zu zerbrechen. Aber auch zum Thema "Liberté" im Heizungskeller haben unsere Nachbarn andere Vorstellungen: Gas-Heizungen will die Regierung von Ende 2026 an in Neubauten verbieten.
