Automobilzulieferer Kern Liebers: Vom Sicherheitsgurt zu Sicherheitssystemen

Automobilzulieferer Kern Liebers
Vom Sicherheitsgurt zu Sicherheitssystemen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 17.07.2026
Vom Sicherheitsgurt zu Sicherheitssystemen
Foto: Jochen Kalka

Die Krise der Automobilindustrie zwingt ihre Zulieferer zum Umdenken. Rückläufige Fahrzeugproduktionen, anhaltender Kostendruck und die schleppende Transformation hin zur Elektromobilität setzen viele Unternehmen unter Druck. Wer künftig erfolgreich sein will, muss seine Kompetenzen stärker diversifizieren und neue Märkte erschließen. B2B MO/OVEMENT zeigt regelmäßig positive Beispiele von Unternehmen, die sich bewegen. Heute: die Kern Liebers Gruppe aus Schramberg.

Weniger Umsatz legt Branchenwechsel nahe

Das Unternehmen im Geschäftsjahr 2025/2026 einen Umsatzrückgang auf 685 Millionen Euro hinnehmen. Bereinigt um Währungs- und Sondereffekte fiel das Minus mit rund drei Prozent jedoch deutlich moderater aus als zunächst vermutet. Entscheidend ist jedoch weniger die Umsatzentwicklung als die strategische Antwort darauf.

Statt ausschließlich auf eine Erholung der Automobilbranche zu hoffen, baut Kern Liebers seine technologische Kompetenz gezielt in wachstumsstarken Industrien aus. Das Unternehmen nutzt dabei Erfahrungen, die über Jahrzehnte im Automotive-Bereich aufgebaut wurden, traut sich aber kaum, darüber in der Öffentlichkeit zu sprechen. B2B MO/OVEMENT hat sich bei dem Schramberger Team erkundigt und als Beispiel hochpräzise Federn für Sicherheitsgurte gezeigt bekommen.

Wissenstransfer in andere Branchen

Genau dieses Know-how lässt sich auf andere Anwendungen übertragen. So investiert Kern Liebers verstärkt in die Medizintechnik, etwa für sogenannte Drug Delivery Devices, also Systeme zur präzisen Medikamentenabgabe. Auch der Verteidigungssektor gewinnt an Bedeutung. Dort kommen vergleichbare Kompetenzen bei Komponenten für Waffen, Munition und Drohnen zum Einsatz – Märkte, die weltweit derzeit deutlich wachsen und hohe Anforderungen an Präzision und Prozesssicherheit stellen.

Diese Strategie zeigt, dass Zulieferer künftig weniger über einzelne Branchen als über ihre Kernkompetenzen definiert werden. Wer komplexe Metallkomponenten mit höchster Präzision entwickeln und in großen Stückzahlen fertigen kann, besitzt Fähigkeiten, die weit über das klassische Automobilgeschäft hinaus gefragt sind. Das gilt grundsätzlich für das enorme Know-how, das unsere gesamte Automobilindustrie aufgebaut hat.

So investierte Kern Liebers im vergangenen Geschäftsjahr rund 20 Millionen Euro in Automatisierung, Digitalisierung und neue Produktionskapazitäten. Gleichzeitig richtet das Unternehmen sein Portfolio konsequent auf Geschäftsfelder aus, in denen langfristig profitables Wachstum möglich ist.

Fazit